Mel’s Randnotizen: Sonntag, 4. September 2011

Einfach fahren, einfach fahren…

Wer den Pixar-Film „Wer findet Nemo“ kennt, kennt auch Dory, die auf dem Weg nach Sydney vor sich hinsingt „einfach schwimmen, einfach schwimmen“. Heute war ein Fahrtag – so nennen wir die Tage, wo wir viel Strecke machen, ohne dass was Spannendes zu besichtigen ist.

Geplant war die Strecke Atlanta, Georgia nach Gatlinburg, Tennessee – knappe 300 km durch Georgia, einen Zipfel von North Carolina und dann quer durch den Great Smokey Mountain Nationalpark nach Tennessee. Grundsätzlich eine schöne und gut zu fahrende Strecke mit vertretbarem Verkehrsaufkommen – bis wir in den Nationalpark kamen. Da wurd’s voll.

Einmal über die Berge und den Pass (Newfound Gap, gerade mal 1.500 m hoch, Staatengrenze zwischen N. Carolina und Tennessee) und dann wurd’s richtig voll.

Und kurz vor Gatlinburg, unserem heutigen Zielort,  ging nur noch Stop&Go. Hunderte Autos waren auf der Strecke in beide Richtungen unterwegs. Wir hatten das Labour-Day-Wochenende vergessen: Morgen ist einer der wenigen Feiertage, den die Amerikaner als „heilig“ empfinden und häufig mit ihren Familien für Kurzausflüge nutzen. Und was bietet sich da mehr an, als ein Trip in die Great Smokey Mountains und nach Dollywood.

Letzteres ist ein Vergnügungspark Marke Phantasialand nur einen Ort von unserem Hotel entfernt, und von Dolly Parton, der Countrysängerin, gegründet. Und weil die Amis ja nix Halbes machen, wenn es um Kommerz geht, sind hier in der Mitte von Nirgendwo am Fuße der Great Smoky Mountains drei kleine Städtchen, die übers Jahr verteilt Millionen von Touristen aufnehmen und versorgen – mit Hotels und Restaurants aller Kategorien und Verfalls-Stadien, abgefahrenen Minigolfanlagen,  mehrstöckige Go-Kart Bahnen, tausenden von Andenkenläden, Dinner Shows und anderen zweifelhaft wertvollen Unterhaltungsangeboten für die ganze Familie. Es ist eine Mischung aus Las Vegas, Disneyland und St. Peter Ording ohne Meer, gepaart mit ein bisschen Oktoberfest und Rheinwiesenkirmes. Und es war dieses Wochenende fast ausgebucht!

Da wir schon um 15:00 im Hotel waren, und in der „Nähe“ zwei Malls waren, zu denen wir wegen „Spezialbesorgungen“ wollten, sind wir einfach 40 km den Highway  (vergleichbar einer 3-spurigen Bundesstraße) lang gefahren, an dem rechts und links sich das Touristenleben abspielt. Und ich hatte gedacht, ich hätte schon alles gesehen. Weit gefehlt. Wer in Hollywood keine Lust mehr auf Kulissenbau hat, kommt nach Tennessee und baut Restaurants in Titanic-Form, 50m große Dinosaurier auf Minigolfplätze oder stellt einfach ein ganzes Haus auf den Kopf, um ein Varieté-Theater daraus zu machen. Dank Stop&Go für gute 25 Meilen entlang des Highways hatten wir viel Zeit zum gucken – oder zum weg gucken und einfach fahren, einfach fahren.

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