Mel’s Randnotizen: Montag, 5. September 2011

„Happy Turkey Day“
das ist die flapsige Variante, sich auf amerikanisch ein schönes Thanksgiving-Fest zu wünschen. Zugegeben, Thanksgiving wird erst Ende November gefeiert und es ist gerade mal Anfang September, aber für uns war heute schon „Happy Turkey Day“. Und nicht nur das.

Trotz der Reste von Tropensturm Lee, die uns eingeholt haben und zwar mit wenig Sturm, aber dafür mit umso mehr Regen zur Zeit über diese Region ziehen, haben wir uns heute morgen direkt wieder in den Great Smokey Mountain National Park aufgemacht. Ziel war Cades Cove, eine knapp 10 Quadratkilometer große unbewaldete Hochebene im ansonsten dicht bewaldeten Nationalpark.

Und kaum hatten wir die 20 Meilen Parkway hinter uns gelassen und waren auf die Cades Cove Schleife (sehr niedliche 30km/h-Einbahnstraße, die einmal um die Ebene herum führt) abgebogen, saßen sie auch schon rechts und links der Straße: wilde Truthähne und -hennen. Gestern noch hatten Colin und ich gewitzelt, dass wir in den X Jahren an der Uni nicht ein einziges Mal einen freilebenden Truthahn gesehen hatten, obwohl in Virginia im großen Rahmen Truthahn gezüchtet wird. Die Zucht-Truthähne sehen aber wie überdimensionierte Legebatterie-Hennen aus und haben mit den grau-braunen Wilden recht wenig gemein. Und da waren sie nun, die Besuchertruthähne vom Dienst. Schnell Fenster runter gekurbelt und ein paar Fotos gemacht, für Aussteigen war es leider viel zu naß!

Aber es kam noch besser: erst haben wir noch durch den Regen mehrere Gruppen der für diese Region typische Weisswedelhirsche gesehen.

Und dann sass er (oder vielleicht auch eine kleine Sie) auf einmal vor uns direkt neben der Straße: ein kleiner Schwarzbär, der offensichtlich beim Durch-die-Wiese Toben etwas vom Weg abgekommen war. Keine 10 Meter vor uns – das hatte ich bis jetzt nur einmal und ich war während der Uni oft im Shenandoah National Park, wo es auch Schwarzbären gibt! Bis ich heute allerdings die Kamera einsatzbereit und das Fenster unten hatte (aussteigen ist in solchen Situationen absolut tabu), war der kleine Bär schon wieder die kleine Böschung hochgekrabbelt und sprang durch hohes Gras, so dass wir ihn bald nicht mehr sehen konnten. Schade um eine tolle Fotogelegenheit, aber manchmal kann man nur mit den Augen fotografieren. (Übrigens: Schwarzbären werden in dieser Region ca. so groß wie Schäferhunde und sind selten gefährlich für Menschen, aber im Nationalpark sind wir Gäste in deren Wohn-, Ess- und Schlafzimmer und da gehört es sich, sich an die strengen Regeln bei Bärensichtungen zu halten, wenn die Viecher schon nett genug sind, sich direkt an der Straße zu zeigen.)

Wenig später kamen wir zu einem kleinen Besucherzentrum, wo gerade ein Ranger mit einem „Bear Talk“ begonnen hatte, und meldeten die Sichtung (die meisten Ranger freuen sich über diese Infos, in einigen Parks stehen sogar auf Tafeln am Eingang welche Tiere wo und wann an dem Tag durch andere Besucher schon gesichtet wurden). Der Ranger erzählte uns, dass es sich wohl um eines von drei Geschwistern handelt, deren Mutter auf dieser Wiese ihr Futterrevier hat und mit ihrer Familie fast täglich gesichtet wird. Nichtsdestotrotz schickte er eine Ranger-Kollegin – nämlich seine Ehefrau 🙂 – in den Regen raus, um nach dem Rechten zu sehen.

Zurück in Gatlinburg haben wir uns dann für ein Regenprogramm entschieden: Mittagessen im Hard Rock Cafe (ja, in diesem Nest gibt es eins!) und anschliessend zu einem Patchwork-Quilt Outlet, das wir am Vortag in Pigeon Forge entdeckt hatten. Dort hing dann auch mein grenzwertig kitschiger Americana Traumquilt direkt schon an der Eingangstür, so dass wir uns nicht den ganzen Laden im Detail geben mussten. Das „gute Stück“ (maschinell made in China und nur deshalb zu bezahlen) ist jetzt im Gepäck und demnächst in meinem neuen Arbeitszimmer mit passenden Kissenbezügen zu bewundern. 😉

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